FGM Skandale in Ägypten und Berlin

21 Nov

Berlin: Salafist ruft zu Genitalverstümmelung auf!

„Eine verlängerte Klitoris muss entfernt werden!“- Ein Berliner Salafisten-Prediger erläutert in einem kürzlich online gestellten Video, wieso muslimische Frauen beschnitten werden sollten. Warum dürfen Traditionalisten wie er in Deutschland zu einer schweren Menschenrechtsverletzung aufrufen ohne bestraft zu werden?

Nicht nur in den von der IS kontrollierten Gebieten im Irak ist FGM in diesen Tagen wieder ein Thema, auch in Deutschland rufen Extremisten zu dieser Praktik auf und propagieren sie als „notwendige und im Islam verankerte Tradition“. Wenn etwa der Berliner Szenen-Prediger Abul Baraa in einem kürzlich veröffentlichten Video Männern rät, Frauen mit einer verlängerten Klitoris beschneiden zu lassen, dann zitiert er aus dem Koran. Das ist fragwürdig, da es offiziell heißt, dass FGM in der heiligen Schrift der Muslime nicht erwähnt ist. Vielmehr reicht die Praktik in die vorislamische und vorchristliche Zeit zurück. Die Fatwa, kann man aber durchaus als Unterstützung der Praktik lesen. Darin heißt es unter anderem die Beschneidung sei keine Pflicht, aber gottgefällig!

In seinem Video scheint sich der Prediger Abul Baraa seine eigene, pseudo-medizinische Realität zu zimmern. Seine „Botschaft“ kurz zusammengefasst:  Ist eine Klitoris „zu lang“ muss sie entfernt werden, ist sie „normal“ muss zwingend keine Beschneidung vorgenommen werden. Dies ist für alle muslimischen Frauen notwendig, da eine verlängerte Klitoris automatisch auch einen stärker ausgeprägten Sexualtrieb bedeutet. Dies sieht Baraa als medizinisch korrekt und zudem „autenthisch“- also nachweisbar in muslimischen Schriften- an. Wie kann es sein, dass ein Extremist und Traditionalist mit derartigen Parolen in deutschen Städten öffentlich predigen darf, ohne im Visier des Verfassungsschutzes zu stehen? In Zeiten in denen vielerorts in Europa radikalisierte Jugendliche in syrische Kriegsgebiete gelockt und rekrutiert werden, ist eine stärkere Kontrolle der Propagandakanäle und den dahinter stehenden Organisationen oder Privatpersonen von oberster Priorität.

Abul Baraa ruft öffentlich zu einer schweren Körperverletzung auf und legitimiert diese mit unwissenschaftlichen Thesen und an den Haaren herbeigezogenen religiösen Quellen und Gesetzestexten. Unter dem Deckmantel heiliger Schriften fordert er andere auf, die Integrität junger Mädchen und Frauen schwer zu verletzen. Dass FGM in Deutschland illegal ist, bleibt im Video des Berliners unerwähnt und führt somit von einer Radikalisierung bedrohte Jugendliche bewusst in die Irre. Auf der Homepage des Predigers werden laufend neue Predigten in Berlin oder München angekündigt: Wie lange noch?

Ägypten: FGM Arzt nach Tod eines Mädchens vom Gericht freigesprochen

In Ägypten gibt es seit 2008 ein geltendes Gesetz gegen FGM. Trotzdem wurde jetzt ein Arzt freigesprochen, nachdem ein Mädchen bei einer von ihm durchgeführten Beschneidung verblutet war. Die Justiz hätte erstmals ein starkes Signal im Kampf gegen FGM setzten können und hat sich für einen Täterschutz entschieden.

Im Juni 2013 kam die 13-jährige Sohair nach einer Genitalverstümmelung ums Leben. Obwohl die Praktik seit 2008 gesetzlich ganz klar als schwere Menschenrechtsverletzung geführt wird und strafrechtlich verfolgt werden kann, führte ein Arzt den Eingriff auf Wunsch des Vaters durch. Das tragische Schicksal von Sohair schlug hohe Wellen. Mitunter ein Grund dafür, dass sich die Behörden erstmals in der Geschichte der ägyptischen Justiz mit einem FGM Fall beschäftigten. Es kam zum Prozess der nicht nur gegen den Arzt sondern auch den Vater geführt wurde.   Mit einer Haftstrafe zwischen drei Monaten und zwei Jahren hätten die Täter unter anderem bestraft werden können. Damit hätte die Justiz ein klares Zeichen gesetzt, nämlich dass FGM in Ägypten nicht nur am Papier sondern auch in der Praxis illegal ist und sowohl MittäterInnen als auch TäterInnen mit Konsequenzen rechnen müssen. Der Fall Sohair hätte ein internationales Vorzeigebeispiel für den Kampf gegen FGM werden können. Jetzt wurde bekannt, dass die Richter die Angeklagten in allen Punkten freisprachen und der  Arzt lediglich angewiesen wurde, der Mutter als Klägerin eine Kompensation von 7000 Pfund zu zahlen. Mit lapidaren Geldbeträgen werden wir in Zukunft weder Familien für das Thema sensibilisieren noch ÄrztInnen davon abhalten einen Eingriff vorzunehmen. Ein starkes Signal der Justiz aber auch der Politik hätte dem tragischen Vorfall zusätzliches Gewicht verschaffen können. Dass das nicht passiert ist und ein Aufschrei der Öffentlichkeit zum größten Teil ausgeblieben ist zeigt, dass sich FGM nach wie vor auf dem Terrain der Normalität bewegt und scheinbar auch weiter bewegen darf.

 

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