Desert Flower Foundation rettet 32 Mädchen vor FGM in Sierra Leone

11 Mar

Die Desert Flower Foundation rettet 32 Mädchen vor weiblicher Genitalverstümmelung. Das Desert Flower Foundation Team in Zusammenarbeit mit dem „Commit and Act“ Center hat weitere 32 Rettungsverträge mit den Eltern in Sierra Leone unterschrieben.

Lesen Sie mehr über die Situation in Sierra Leone in Julia Broskas Artikel:

“Ende Dezember hatte ich die Ehre, eine unserer Partner-NGOs, Commit and Act, in Bo zu treffen. Sie arbeiten in der psycho-sozialen Unterstützung für Ebola-Opfer. Ich habe ein kleines Interview mit der Direktorin, Hannah Bockarie, gemacht, siehe Video hier.

Julia: Hallo Hannah! Ich bin Julia, die Blog-Betreiberin, und ich möchte ein Interview mit unserem Partner “Commit and Act” führen. Hannah, könntest Du bitte Dich und die NGO vorstellen?

Hannah: Ich bin Hannah Bockarie, ich bin Sierra Leonerin und die Direktorin der Commit and Act Stiftung.

Julia: Könntest Du kurz das Ziel Deiner NGO vorstellen?

Hannah: Unser Ziel ist es, Sierra Leonern zu helfen, sie auszubilden und mit Individuen zu arbeiten, die psychische Probleme haben. Wir unterstützen sie indem wir ihnen Betreuung anbieten und dabei unseren ACT-Ansatz umsetzen. Und wir arbeiten auch mit Frauen und Frauengruppen. Wir geben ihnen das nötige Selbstbewusstsein, auf eigenen Beinen zu stehen, auch dabei nutzen wir Werkzeuge des ACT-Ansatzes. Das ist, was wir in Sierra Leone tun. Wir trainieren verschiedene Kategorien von Menschen und nutzen dabei den ACT-Ansatz, wir helfen Menschen dabei, ihr eigenes Leben wieder als bedeutungsvoll zu empfingen und ihre Werte zu identifizieren. Das ist es, was wir machen. Außerdem arbeiten wir mit jungen Mädchen die noch kein Opfer von weiblicher Beschneidung geworden sind (FGM). Wir arbeiten mit 32 Mädchen, das Projekt wird von der Desert Flower Stiftung unterstützt. Wir unterstützen diese jungen Mädchen, sie sind alle unter 18 Jahre alt, darin, sich nicht beschneiden zu lassen. Ihre Eltern haben Abkommen mit uns unterzeichnet. Im Austausch unterstützen wir die Mädchen finanziell für Medizin, Essen und gebrauchte Kleidung, Dinge, die sie brauchen. Wir trainieren außerdem Berater von verschiedenen Organisationen und geben ihnen die nötige Ausbildung, um im Kampf gegen Ebola zu helfen. Ebola geht einher mit Trauma, Stigma und Ablehnung. So hat sich eine Negativ-Spirale entwickelt. Wir versuchen, diesen negativen Kreislauf zu durchbrechen indem wir Berater oder Tröster nutzen und an verschiedenen Standorten zeigen, wie der Kreislauf der Ansteckung durchbrochen werden kann.

Julia: Könntest Du die Probleme beschreiben, mit denen die von Ebola betroffenen Gemeinden konfrontiert sind, insbesondere was psychologische Probleme angeht?

Hannah: Ich sage Dir, es ist nicht einfach für meine Landsleute die von Ebola beeinträchtigt oder infiziert wurden, denn es besteht viel Stigmatisierung. Die Leute stigmatisieren die Ebola-Überlebenden, und sogar Familien, die in Quarantäne gesetzt wurden. Außerdem verschließen viele die Augen vor dem Problem, es ist schwierig, den Kreislauf der Ansteckung zu durchbrechen. Commit and Act hat sich in verschiedenen Bereichen engagiert, wir haben in verschiedenen Gemeinden psycho-soziale Hilfe für betroffene Familien angeboten. Außerdem trainieren wir Partner, die raus gehen wollen und den betroffenen Familien helfen möchten. Wir bieten Trainings-Einheiten für sie an. Wir sind auch ein Teil des DHM-Teams, Distrikt-Medizinisches-Team und bieten unsere Hilfe an wo immer es nötig ist. Wir sind Teil des NERC, die Dachorganisation für die Ebola-Bekämpfung. Wir haben uns in verschiedenen Bereichen engagiert und haben versucht den Prozess zu begleiten unter Verwendung des ACT-Ansatzes, der hier sehr gut angewendet werden kann. Das Problem das wir jetzt haben ist, das die Leute Ebola immer noch leugnen, sie waschen immer noch ihre Toten, in manchen Gebieten glauben sie nicht, dass Ebola real ist. Außerdem haben wir das Problem der Stigmatisierung, Angst und Panik, Stigmatisierung von medizinischen Angestellten und ausländischen Helfern. Es gibt wirklich viele Probleme durch Ebola. Commit and Act ist ein Teil des Kampfes gegen Ebola und wir haben 25 Berater die in verschiedenen Orten mit Familien in Quarantäne arbeiten, sie bieten Trost, emotionale Unterstützung und nutzen den „prosozialen“ Ansatz. In diesem Ansatz geht es darum, dass Menschen die Werte erkennen, die hinter ihrem Handeln stehen. Das Problem des Waschens von Verstorbenen, wir versuchen den Menschen dabei zu helfen, einen anderen Gegenstand zu identifizieren, der die Leiche ersetzen kann. Etwas, dass sie benutzen können, anstatt die Leiche zu küssen, zu waschen, zu berühren. Wir unterstützen die Menschen dabei, etwas in ihrer Gemeinschaft zu finden, was die Leiche repräsentieren kann, und dann ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, zu weinen, den Gegenstand zu berühren und zu waschen. In manchen Gemeinden haben sie den Stamm einer Bananen-Staude verwendet, dieser Stamm repräsentiert die Leiche. Wir ermutigen sie, diesen Stamm zu beweinen, zu zeigen, wie sehr sie die Person vermissen, was auch immer sie tun möchten, das aufgrund von Ebola nicht möglich war. Anstatt sich mit Ebola zu infizieren, haben sie etwas, was die Leiche ersetzen kann. Das ist es, was wir als „prosozialen“ Ansatz verstehen und in einigen Gemeinden hat es gut funktioniert.

Julia: Und gibt es irgendetwas anderes, eine Botschaft, die Du unserer deutschen Leserschaft mitteilen möchtest?

Hannah: Ich bin so dankbar, so glücklich, dass wir nun eine Partnerschaft mit der Welthungerhilfe etabliert haben. Wir werden ein Projekt umsetzen, in dem wir 50 Lehrer zu Trainern ausbilden. Sie werden in verschiedene Gemeinden gehen, in 15 Chiefdoms im gesamten Distrikt. Und sie werden dann dort wieder Personen nach dem „prosozialen“ Ansatz ausbilden. Trainings werden in 94 Sektionen stattfinden. Sie werden verschiedene Meinungsführer und Stakeholder ausbilden, 40 pro Sektion. Im Endeffekt werden wir so distriktweit 3740 Menschen erreichen. Wir trainieren sie, um sie dann zurück zu ihren Leuten zu schicken um die Kette der Ansteckung zu durchbrechen, denn es gibt viele falsche Wahrnehmungen und viel Ablehnung. Das ist, was wir in dem Projekt tun. Und die 50 Lehrer werden zu Trainern ausgebildet. Und die 40 Personen die pro Sektion kommen werden von verschiedenen Dörfern dieser Sektionen kommen. Ich sage Dir, die Paramount-Chiefs können es kaum erwarten, dass wir mit unserem Projekt beginnen. Es wird dem Distrikt dabei helfen, die Kette der Ansteckung zu durchbrechen, denn worum es wirklich geht ist die Einstellung der Menschen, die nicht akzeptieren, dass Ebola real ist. Das Projekt wird meinen Landsleuten helfen zu verstehen, was Ebola wirklich ist und wie sie die Kette der Ansteckung durchbrechen können. Vor allem Frauen wurden häufig infiziert mit EVD (Ebola Virus Disease). Wir wollen schauen, wie wir am besten Frauengruppen in die Trainings eingliedern können, so dass diese Frauen verstehen, dass sie nicht länger die Rolle der Krankenpflege in ihrer Familie übernehmen können wenn der Ehemann oder ein Kind erkrankt. Stattdessen müssen sie ihren Ehemann überzeugen, zur nächsten Gesundheits-Station zu gehen. Das ist auch Teil des Trainings-Pakets, denn wir haben festgestellt, dass Frauen häufiger infiziert werden, weil sie die Rolle der Krankenpflege übernehmen. Wenn ich krank werde, wird sich nicht mein Ehemann um mich kümmern. Stattdessen wird er meine Mutter oder meine Schwester holen, die sich dann um mich kümmern. Wenn er aber krank wird, werde ich mich um ihn kümmern. Dadurch sind Frauen stärker in die Ansteckung involviert und erkranken häufiger an Ebola. Sogar wenn mein Kind krank ist, wird mein Ehemann es nicht anfassen, ich aber natürlich schon. Das wollen wir alles im Trainings-Paket mit aufnehmen, wir wollen diese Frauen trainieren, verschiedene Kategorien von Menschen trainieren ein Teil von der Durchbrechung der Ansteckungskette zu werden. Ich denke, dass dieses Projekt viele Leben retten wird und der Bo-Distrikt es schaffen wird, 0 Ansteckungen zu haben. Deshalb möchte ich mich ganz herzlich bei dem deutschen Team bedanken das dieses Projekt in Sierra Leone unterstützt. Wir sind nicht die einzige Organisation, die sie unterstützen, sie finanzieren verschiedene Projekte an verschiedenen Standorten. Also, vielen Dank für die Unterstützung an Sierra Leone, wir lieben das wirklich und wir wissen dass ihr uns geholfen habt, die Kette der Ansteckung dieser schrecklichen Krankheit zu durchbrechen. Ich bedanke mich, und wir fangen genau jetzt mit der Arbeit an!

Julia: Danke, Hannah, für dieses interessante Interview. Danke auch an Commit and Act für diese tolle Projektidee, wir sind auf unsere Partner angewiesen, die die Situation und die Menschen vor Ort kennen. Es ist toll, dass wir eine so professionelle NGO gefunden haben. Vielen Dank!

Hannah: Danke.

Nachtrag: Das Projekt wurde mittlerweile mit großem Erfolg umgesetzt. Bo wurde im Februar als 2. Distrikt landesweit als Ebola-frei erklärt.”

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