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Letters to My Mother

17 Aug

The first letter of my series of letters. The next one is coming soon.

Mama,                        

Whenever I am in Europe or in the United States, I dream about going back to Africa and living in Africa. I long for my childhood, the vastness of the desert, the clear sky full of stars at night, the colours and the smells. When I am lying all alone in my bed, I sometimes feel as if my heart is being torn apart from all this homesickness.

But, Mama, when I come to Africa, I long for my European friends, for my son Aleeke and for my life in Europe. This is the way I feel right know. I am and always will be a nomad.

Mama, when I ask myself where I belong to, I can’t find an answer. I just see a big black hole, a big emptiness. I would love to unite these two worlds for myself but I don’t know how. I feel homeless and deracinated.

When I started my campaign against female genital mutilation, there were a lot of African women and men that reproached me for betraying our African traditions and our culture. That really hurt me. The last thing I want to do is to betray our culture. I don’t want to betray our home! I don’t want to be seen as a betrayer! I want Africa to be a safe place for all children, a place where girls won’t be genitally mutilated anymore and where girls won’t be traumatized anymore. They shouldn’t have to suffer what I had to suffer.

I cried a lot that night in Prague, Mama. I couldn’t fall asleep; I kept playing with the remote control and switched from one channel to the other, just to distract me from these grim thoughts.  At some point I sat down at my desk and tried to put my feelings into words but I could only scribble down some useless phrases. I stood at the window and watched the sea of lights of the city. I wished that the day would begin very soon and that the sun may rise. I just felt like the loneliest person on earth.

LOVE,

Waris

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Briefe an meine Mutter. „Meine Einsamkeit“

17 Aug

Der erste Brief von meiner Briefserie. Die nächsten Briefe folgen bald!

Mama,

wenn ich in Europa oder den USA bin, träume ich davon, nach Afrika zurückzukehren und in Afrika zu leben. Ich sehne mich nach meiner Kindheit, nach den unendlichen Weiten der Wüste, dem klaren Sternenhimmel in der Nacht, den Farben und Gerüchen. Wenn ich alleine in meinem Bett liege, dann habe ich manchmal das Gefühl, dass es mir mein Herz zerreißt vor lauter Heimweh.

Mama, aber wenn ich in Afrika bin, dann  sehne ich mich wieder nach meinen europäischen Freunden, nach meinem Sohn Aleeke und dem Leben in Europa. So geht es mir auch jetzt. Ich bin und bleibe eine Nomadin.

Mama, wenn ich mir die Frage stelle, wo ich eigentlich zu Hause bin, dann fällt mir nichts ein, dann entsteht in mir eine große Leere, ein großes schwarzes Loch. So gerne würde ich diese beiden Welten für mich miteinander verbinden, aber es gelingt mir nicht. Ich fühle mich  oft heimatlos und entwurzelt.

Als ich mit meiner Kampagne gegen Genitalverstümmelung begonnen habe, da gab es viele afrikanische Frauen und Männer, die mir vorwarfen, unsere Tradition, unsere Kultur zu verraten. Das hat mich unglaublich getroffen, denn das ist das Letzte, was ich möchte. Ich will unsere Heimat nicht verraten! Ich will nicht als Verräterin gelten! Ich will, dass Afrika ein sicherer Platz für Kinder wird, dass Mädchen nicht mehr genital verstümmelt werden und seelisch traumatisiert werden. So wie es mit mir geschehen ist.

Ich habe viel geweint in dieser Nacht in Prag, Mama. Ich konnte nicht mehr einschlafen, ich habe mit der Fernbedienung des Fernseher gespielt, ich habe ständig zwischen allen Programme hin- und hergeschaltet, um etwas zu finden, dass mich ablenkt, mich abbringt von meinen düsteren Gedanken. Dann habe ich mich an den Schreibtisch gesetzt und versucht meine Gefühle in Worte zu fassen, aber dann doch nur irgendwelche, sinnlosen Zeilen gekritzelt. Ich stand am Fenster und schaute auf das Lichtermeer der Stadt. Ich wünschte mir, dass ganz schnell der Tag anbricht, die Sonne aufgeht. Ich habe mich wie der einsamste Mensch auf diesem Planeten gefühlt.

In Liebe

Deine Waris

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