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FGM widespread in Europe-disclosure…

29 Sep

“Oh a circumcision for your daughter. Of the genitals.”

“Yes, a circumcision”.

Now the doctor finally understood what this was all about. Outside we were already about to turn off the microphones – we expected him to turn down the request immediately. But no:

Suddenly he says abruptly, “this is not that easy in Vienna”.

Then the secretary interferes, “Isn’t it illegal?”

“It is not really prohibited, but not really permitted either”, the doctor replies. “You can do it privately. May be somebody will do that.”

A short break, “I don’t do this myself”, says the doctor, “but I know somebody, another doctor”. He turns around to his secretary, “could you get me the number of Dr. H.”

Then he turns again to Theresa. “In Austria this surgery is a problem. They don’t like it here. They say it was bad for women. They believe that it is an African tradition. I have had women from Egypt here who wanted to have it done too. I sent them to somebody else as well.” The secretary interferes again: but isn’t it prohibited? But the doctor just replies succinctly, “ah, if they only cut a little, it is going to be ok. Give her the number.” Theresa thanks them and leaves.

Again: no consternation. No effort to talk her out of it. The doctor – a licensed gynaecologist in Vienna – even provided her with the address of a colleague and it wasn’t the first time that he sent women to somebody else.

We call Dr. H. Theresa explains briefly her “wish” to him: “My daughter gets married. I want to have her circumcised, in accordance with the traditional method. The doctor hesitated. Then he added, “I don’t talk about such things on the phone. You have to come here. Give me your number and I will call you back”. He speaks in a dry manner.

Theresa gives him her mobile phone number and after a while the telephone rings. We schedule an appointment. “Come with your daughter.”

“How much money shall I take along?”

“I don’t discuss these things over the phone”, the doctor replies.

Then he hangs up.

The next few telephone calls are more positive experiences. “This is illegal! Give me your name, I will report you!” blustered a reputable cosmetic surgeon. Not a very effective reaction in a case of emergency. But at least an adequate one.

A few days later “Theresa” has her appointment at the practice of the recommended doctor. Again it is in a council estate in one of the poorer districts of Vienna. She brings along her “daughter” – a 19 year old girl from Nigeria who may easily be mistaken as a 17 year old. She has to remain standing in the treatment room, only Theresa is offered a chair. She explains her request, “I want my daughter to be circumcised.” “Does she want that?” the doctor asks after he understood what this was about. “Yes. It is because of her wedding.” Without taking a look at the “daughter” he continues to ask: Who is her future husband? Why does she want that? Is she still a virgin? And finally he refuses to do it, “We don’t do that. It is not correct.” But instead of trying to convince Theresa not to do it, he advises her, “You have to go to a hospital. You need anaesthetics for that. Without it she cannot be circumcised.” And he writes down the name of a well-known Viennese hospital. “Try there. Perhaps they will do it for you.”

This is where we break off our experiment. We have heard enough: hardly a single gynaecologist in the whole capital reacted appropriately to our fictitious request. Most of them consider it evidently to be legitimate to circumcise an underage girl. The three doctors Flora went to see at least would not have carried out the procedure themselves – but they were prepared to refer her on.

New edition of the book "Desert Children"

Soon coming: the newest edition of “Desert Children”! 

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FGM auch in Europa weit verbreitet: Die Enthüllung…

29 Sep

„Ach, eine Beschneidung wollen Sie für eine Tochter. An den Genitalien.“

„Ja, eine Beschneidung.“

Erst jetzt hat der Arzt verstanden, worum es überhaupt geht. Wir sind drauf und dran, die Mikros abzuschalten, weil wir damit rechnen, dass er sofort abwinkt. Aber nein, plötzlich sagt er ganz unvermittelt: „Hier in Wien ist das nicht leicht.“

Nun mischt sich die Sprechstundenhilfe ein: „Ist das nicht verboten?“

„Es ist nicht verboten, aber es ist auch nicht richtig erlaubt“, erwidert der Arzt. „Privat geht das. Da muss man schauen, was man machen kann.“ Und nach einer kurzen Pause fährt er fort: „Ich selbst mache das nicht, aber ich kenne jemanden, einen anderen Arzt.“ Er dreht sich zur Sprechstundenhilfe: „Suchen Sie mir die Nummer von Dr. H. heraus.“

Dann wendet er sich wieder Eleonore zu. „In Österreich ist diese Operation ein Problem. Die mögen das hier nicht. Sie sagen, es ist nicht gut für die Frauen. Sie denken, es ist eine afrikanische Tradition. Ich habe schon Frauen aus Ägypten hier gehabt, die wollten das auch machen lassen. Ich habe sie auch weitergeschickt.“

Noch einmal mischt sich die Sprechstundenhilfe ein: „Aber ist das nicht verboten?“

Und der Arzt meint daraufhin ganz lapidar: „Ach, wenn man da nur ein bisschen was macht, geht das schon. Geben Sie ihr die Nummer.“

Eleonore nimmt den Zettel, bedankt sich und geht.

Noch einmal: Kein Entsetzen. Kein Versuch, Eleonore von ihrem Vorhaben abzubringen. Der Arzt, ein niedergelassener Gynäkologe in Wien, gibt ihr sogar die Adresse eines Kollegen weiter, und es ist nicht das erste Mal, dass er Frauen weiterschickt.

Eleonore ruft tags darauf bei Dr. H. an. Sie erklärt auch ihm ganz platt ihren „Wunsch“: „Meine Tochter heiratet. Ich will sie beschneiden lassen, nach der traditionellen Methode.“

Der Arzt stockt kurz. Dann sagt er: „Ich spreche darüber nicht am Telefon. Sie müssen zu mir kommen. Geben Sie mir eine Nummer, unter der ich Sie zurückrufen kann.“ Sein Ton ist recht barsch.

Eleonore gibt ihm ihre Handynummer, und nach einiger Zeit läutet das Telefon. Sie vereinbart einen Termin.

„Kommen gleich Sie mit ihrer Tochter“, fordert sie der Arzt auf.

„Wie viel Geld soll ich mitnehmen?“, fragt Eleonore noch schnell.

„Darüber spreche ich nicht am Telefon“, bekommt sie zur Antwort. Dann hängt der Arzt ein.

Eleonore führt anschließend noch ein paar weitere Telefonate, und die Ergebnisse sind viel positiver. „Das ist verboten! Geben Sie mir Ihren Namen, ich zeige Sie an!“, schimpft etwa ein bekannter plastischer Chirurg. Trotzdem keine sehr wirkungsvolle Reaktion, wenn es sich um einen tatsächlichen Fall handeln würde. Aber zumindest eine angemessene.

Einige Tage später sucht Eleonore besagten Dr. H. in seiner Praxis auf, die sich in einer Sozialbauwohnung in einem der ärmeren Viertel von Wien befindet. Sie nimmt eine „Tochter“ mit – ein neunzehnjähriges nigerianisches Mädchen, das gut und gerne für Siebzehn durchgeht. Im Behandlungszimmer muss die junge Frau stehen bleiben, nur Eleonore bekommt einen Stuhl angeboten. „Ich möchte meine Tochter beschneiden lassen“, beginnt Eleonore das Gespräch.

„Will sie das denn?“, fragt der Arzt, nachdem er verstanden hat, worum es geht.

„Ja“, antwortet Eleonore. „Es ist wegen einer Hochzeit.“

Ohne die „Tochter“ eines Blickes zu würdigen, fragt der Arzt weiter: „Wer ist der Mann? Warum will sie das haben? Ist sie noch Jungfrau?“ Und winkt schließlich ab: „Wir machen das nicht. Das ist nicht richtig.“ Aber anstatt Eleonore von ihrem Vorhaben abzubringen, rät er ihr: „Sie müssen in eine Klinik gehen. Man braucht dazu eine Narkose. Ohne Narkose kann man sie nicht beschneiden.“ Und schreibt ihr den Namen eines bekannten Wiener Krankenhauses auf einen Zettel. „Versuchen Sie es dort. Vielleicht machen sie es dort für Sie.“

Wir brechen unser Experiment an dieser Stelle ab. Wir haben genug gehört: Kaum ein Gynäkologe in Wien konnte angemessen auf unsere Anfrage reagieren. Einige halten es offensichtlich für legitim, ein minderjähriges Mädchen beschneiden zu lassen. Und die drei Ärzte, die Eleonore deswegen in der Praxis aufgesucht hat, würden einen solchen Eingriff zumindest nicht selbst machen – haben sie aber an andere verwiesen.

29 09

Schon im Oktober erscheint die neue Ausgabe des Buches „Schmerzenskinder“. Sie erhalten das Buch im gut sortierten Fachhandel, sowie auf Amazon.

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